Künstliche Intelligenz ist in aller Munde und mit dem Microsoft Copilot landet sie direkt in deinem Arbeitsalltag – in Word, Excel, PowerPoint und Co. Gerade im Rechnungswesen fragt man sich da natürlich: Macht dieser neue Kollege uns das Leben leichter oder ist der Hype größer als der Nutzen? Die kurze Antwort: Es kommt drauf an, wo du ihn einsetzt. Bevor du aber überhaupt loslegen kannst, musst du wissen, dass der Copilot ein Extra ist. Du brauchst nicht nur eine Microsoft-365-Lizenz, sondern zusätzlich eine separate Lizenz für den Copiloten, die mit rund 28 Euro pro Monat zu Buche schlägt.
Fangen wir mit der größten Hoffnung und zugleich der größten Enttäuschung an: Excel. Ein intelligenter Assistent, der auf Knopfdruck komplexe Auswertungen fährt, wäre für jeden im Rechnungswesen ein Traum. Die Realität sieht leider anders aus. Der Copilot in Excel ist aktuell die schwächste Integration der ganzen Office-Familie. Er liefert teilweise fehlerhafte Ergebnisse, hat Probleme mit grundlegenden betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und bricht Analysen oft einfach ab. Stand heute ist er für verlässliche Zahlenarbeit im Rechnungswesen leider noch nicht zu gebrauchen.
Ganz anders sieht es in Word aus. Hier kann der Copilot seine Stärken ausspielen. Brauchst du einen ersten Entwurf für einen Bericht, ein Memo oder sogar ein Kapitel für eine komplexe GoBD-Verfahrensdokumentation? Ein kurzer Befehl, ein sogenannter Prompt, genügt, und du erhältst oft einen erstaunlich gut strukturierten Textvorschlag. Ein kleiner Haken: Wenn du diesen Entwurf mit weiteren Befehlen verfeinern willst, kann es passieren, dass der Copilot die Formatierung durcheinanderbringt oder Änderungen nicht wie gewünscht umsetzt. Für den ersten Aufschlag ist er aber top.
In PowerPoint ist der Copilot ein nützlicher Ideengeber. Du steckst ihm ein paar Stichworte zu, zum Beispiel zur E-Rechnung, und er bastelt dir einen ersten Präsentationsentwurf. Die Inhalte und vor allem die Bilder, die er auswählt, sind zwar nicht immer treffsicher und bedürfen einer gründlichen Überarbeitung, aber der Anfang ist gemacht. Er hilft dir, die anfängliche Schreib- oder Gestaltungsblockade zu überwinden, aber die Feinarbeit bleibt bei dir.
Richtig praktisch wird der Copilot in Outlook und Teams. In Outlook schreibt er dir auf Kommando Entwürfe für Routine-Mails wie Terminabsprachen oder Status-Updates. Sein wahres Talent zeigt er aber beim Zusammenfassen von langen E-Mail-Verläufen. Das spart im Posteingang eine Menge Zeit. In Microsoft Teams glänzt der Copilot so richtig: Er kann während einer Videokonferenz live das Gespräch protokollieren. Du kannst ihn jederzeit fragen, was bisher besprochen wurde oder wer welche Aufgabe übernommen hat. Das ist ein echter Game-Changer für die Dokumentation von Meetings.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Copilot im Rechnungswesen ein zweischneidiges Schwert ist. Während er in Word, Outlook und Teams bereits einen echten Mehrwert bietet, ist er ausgerechnet in der Kerndisziplin Excel noch keine Hilfe. Das Potenzial ist riesig, aber aktuell zeigt die KI hier noch deutlich ihre Grenzen. Deine fachliche Expertise als Mensch ist und bleibt also unverzichtbar.
