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Der Digitale Euro: Zwilling des Bargelds oder nur ein ferner Verwandter?

Die Europäische Zentralbank (EZB) wirbt für den kommenden Digitalen Euro mit einem beruhigenden Bild: Er sei der digitale Zwilling unseres Bargeldes. Die Botschaft soll lauten: Alles bleibt beim Alten, wir machen das gute, alte Geld nur fit für das Internet. Doch schaut man sich die bisher bekannten Pläne genauer an, dann wird schnell klar: Diese beiden sind nicht einmal zweieiige Zwillinge, sondern eher so verwandt wie ein Urenkel zu seinem Großonkel. Der Digitale Euro wird grundlegend andere Eigenschaften haben als das Bargeld, das wir kennen.

Der größte Charme von Bargeld ist seine relativ uneingeschränkte Nutzbarkeit. Jeder kann es verwenden und besitzen, egal ob Kind, Tourist oder Unternehmen. Es gibt keine Obergrenze, wie viel Bargeld Du im Portemonnaie oder zu Hause aufbewahren darfst. Du kannst es innerhalb der Eurozone und sogar darüber hinaus nutzen. Bargeld fragt nicht, wer Du bist oder wo Du wohnst. Es ist ein universelles, freies Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel. Genau diese Freiheit wird es beim Digitalen Euro nicht geben.

Die Pläne der EZB sehen eine ganze Reihe von Einschränkungen vor. Erstens wird der Nutzerkreis begrenzt sein. So wie es aussieht, wird der Digitale Euro nur für Menschen mit Wohnsitz in der Eurozone verfügbar sein. Ein Tourist aus den USA oder ein Geschäftsreisender aus Asien könnte damit in einem europäischen Restaurant also nicht bezahlen. Zweitens wird es ein Haltelimit geben. Die Rede ist von einem Höchstbetrag zwischen 500 und 3.000 Euro, den eine Privatperson besitzen darf. Das schränkt die Funktion als Wertspeicher massiv ein. Du kannst also nicht Dein gesamtes Erspartes in Digitalen Euros halten, was natürlich auch nicht unbedingt Sinn ergibt. Und für Unternehmen gilt: Sie dürfen gar kein Guthaben in Digitalen Euros halten. Eingehende Zahlungen müssen sofort auf ein normales Geschäftskonto weitergeleitet werden. Ihr Konto für den Digitalen Euro muss also immer auf null stehen.

Angesichts dieser massiven Unterschiede ist die Bezeichnung digitaler Zwilling mehr als irreführend. Der Digitale Euro ist kein 1:1-Abbild von Bargeld, sondern ein neues, eigenständiges Zahlungsmittel mit einem festen, restriktiven Regelkorsett. Er ist nicht universell, nicht unbegrenzt und nicht für jeden in gleicher Weise nutzbar. Man muss ihn daher eher als ein neues Mitglied in der großen Familie der Geldformen sehen, neben Bankeinlagen, Devisen oder auch Stablecoins. Er ist aber definitiv kein Klon des Bargeldes, sondern eben nur ein entfernter digitaler Verwandter.