Stell dir vor, deine Abteilung investiert hunderttausende Euro in ein neues Analysetool, das angeblich bahnbrechende Effizienzgewinne verspricht. Nach monatelanger Implementierung stellt sich heraus: Die beeindruckenden Testergebnisse waren geschönt und das System funktioniert unter realen Bedingungen nicht. Das investierte Geld ist verloren. Genau dieses Szenario ist Realität in einem der teuersten und innovativsten Bereiche überhaupt: der Forschung mit künstlicher Intelligenz.
Das Problem: Versteckte Fehler in teuren Prozessen
In einem wissenschaftlichem Artikel wurde vor kurzem behaupt mit 97 prozentiger Genauigkeit vorhersagen zu können, ob ein Song ein Hit wird. Die Musikindustrie war begeistert. Das Problem: Die Ergebnisse waren wertlos. Die Forscher hatten einen der häufigsten Fehler im Machine Learning gemacht: Das sogenannte Data Leakage. Vereinfacht gesagt, haben sie das System mit den Lösungen für den Test trainiert. Ein anderer Fall betraf eine Krebsforschungs-Studie, die über 600-mal zitiert wurde, bevor der Fehler auffiel, was besonders schlimm ist.
Aus Controlling-Sicht sind das keine wissenschaftlichen Kuriositäten, sondern Beispiele für massive Verschwendung und mangelnde Prozesskontrolle. Wenn der F&E-Prozess so fehleranfällig ist, werden womöglich riesige Summen an öffentlichen und privaten Kapital für eigentlich wertlose Ergebnisse verbrannt. Das ist in Wahrheit ein klassisches Problem der Qualitätssicherung.
Die Lösung: Ein klassisches Controlling-Instrument
Als Reaktion hierauf hat eine Gruppe von Forschern eine Lösung vorgeschlagen, die jedem Controller bekannt vorkommen könnte: eine schlichte Checkliste. Unter dem Namen »REFORMS« haben sie 32 standardisierte Prüfpunkte entwickelt. Diese Liste soll sicherstellen, dass grundlegende Qualitätsstandards bei der Anwendung von Machine Learning eingehalten werden.
Diese Checkliste ist nichts anderes als ein Werkzeug für die Prozesssteuerung und Qualitätssicherung. Sie funktioniert wie die Pre-Flight-Checkliste eines Piloten, die Prüfroutine in der industriellen Fertigung oder der Fragenkatalog eines internen Auditors. Ziel ist es, die häufigsten und kostspieligsten Fehler proaktiv zu verhindern, anstatt sie reaktiv und teuer zu beheben, wenn der Schaden bereits entstanden ist. Durch die Standardisierung des Prüfprozesses wird die Qualität des Outputs, in diesem Fall der Forschungsergebnisse, zuverlässiger und vergleichbarer.
Was du für dein Controlling mitnehmen kannst
Die Einführung der REFORMS-Checkliste zeigt eindrücklich: Selbst in hochkomplexen und innovativen Feldern sind es oft die einfachen, aber konsequent angewendeten Controlling-Instrumente, die den Unterschied machen. Für deine eigene Arbeit bedeutet das: Identifiziere die kritischen und fehleranfälligen Prozesse in deinem Verantwortungsbereich. Gibt es dort standardisierte Prüfroutinen und Checklisten, um die häufigsten Fehlerquellen auszuschließen?
Ob bei der Einführung einer neuen Software, dem Start eines Projekts oder dem Monatsabschluss, eine gut durchdachte Checkliste ist eines der besten und kosteneffizientesten Werkzeuge, um Qualität zu sichern, Risiken zu minimieren und Verschwendung zu vermeiden. Sie zwingt zur Sorgfalt und stellt sicher, dass nichts Wichtiges übersehen wird. Manchmal ist die beste Innovation die Rückbesinnung auf bewährte Grundlagen – auch beim Einsatz von KI.
Zu jedem Thema hier im Blog Controlling & Kostenrechnung gibt es in der Regel etwas später auch einen Podcast von mir. Ihr findet ihn auf dem Podcast-Kanal »ieconomics Controlling & Kostenrechnung« unter anderem bei Apple Podcasts, Spotify, Amazon Music oder Deezer. Daneben habe ich bis heute rund zwanzig ...für Dummies-Bücher veröffentlicht, unter anderem die Bestseller »Controlling für Dummies« und »Kosten- und Leistungsrechnung für Dummies«. Anfang 2027 erscheint »KI im Rechnungswesen und Controlling für Dummies«. Alle Bücher berücksichtigen stets die rechtliche Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Bücher erscheinen beim Verlag Wiley-VCH mit Sitz in Weinheim bei Heidelberg und sind im deutschsprachigen Raum im Buchhandel vor Ort oder online wie zum Beispiel bei Amazon erhältlich. Wiley-VCH ist die deutsche Tochter des Verlags John Wiley & Sons. Wiley wurde im Jahr 1807 von Charles Wiley in Manhattan, New York City, gegründet und ist immer ein Familienunternehmen geblieben. Es hat heute seinen Sitz in Hoboken in New Jersey, also am Hudson River, direkt gegenüber von Manhattan.
