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KI im Unternehmen: Kennst du deine digitale Lieferkette?

Im Controlling und im Risikomanagement ist die Analyse von Lieferketten eine zentrale Aufgabe. Du prüfst die Zuverlässigkeit von Lieferanten, bewertest Ausfallrisiken und stellst sicher, dass die Materialversorgung des Unternehmens gesichert ist. Doch im Zeitalter der Digitalisierung entsteht eine neue, oft unsichtbare Abhängigkeit: die digitale Lieferkette. Viele Softwarelösungen, die heute im Unternehmen eingesetzt werden – vom Personal-Tool über die Marketing-Suite bis hin zur fortschrittlichen Analyse-Software – basieren auf den großen KI-Basismodellen, Foundation Models, von Anbietern wie OpenAI, Google oder Microsoft. Damit erbt dein Unternehmen aber auch alle Risiken dieser Modelle. Für das Controlling ist es daher unerlässlich, diese neue Lieferkette zu verstehen und zu managen.

Von der physischen zur digitalen Supply Chain

Die Logik ist dieselbe wie bei einem physischen Produkt. Wenn du ein Bauteil von einem Zulieferer beziehst, bist du von dessen Qualität und Zuverlässigkeit abhängig. Ist das Bauteil fehlerhaft, ist dein Endprodukt kompromittiert. Genauso verhält es sich mit KI-basierter Software. Nutzt dein Unternehmen beispielsweise ein HR-Tool zur Vorauswahl von Bewerbern, das auf dem Modell GPT-4 aufbaut, dann hängt die Qualität der Ergebnisse direkt von GPT-4 ab. Enthält dieses Basismodell unerkannte Voreingenommenheiten (Bias), kann dies zu diskriminierenden Einstellungsentscheidungen führen. Das Ergebnis sind nicht nur schlechtere Personalentscheidungen, sondern auch erhebliche rechtliche und reputative Risiken, die sich direkt auf die Bilanz auswirken können.

Ein weiteres, zentrales Risiko ist die sogenannte algorithmische Monokultur. Wenn sehr viele Unternehmen auf Software setzen, die auf demselben einzigen Basismodell aufbaut, entsteht ein massives Klumpenrisiko. Eine Sicherheitslücke, eine plötzliche Änderung der Nutzungsbedingungen oder ein technischer Ausfall bei diesem einen Anbieter kann dann zeitgleich eine ganze Welle von Störungen in Tausenden von Unternehmen auslösen. Ein Controller muss solche Abhängigkeiten identifizieren und bewerten. Die Frage »Was passiert, wenn der Anbieter unseres Kern-KI-Modells ausfällt oder es einen Fehler hat?« wird zu einer zentralen Frage im Risikomanagement.

Neue Anforderungen an das Controlling

Für das Controlling ergeben sich daraus konkrete neue Aufgaben. Es geht nicht mehr nur darum, die Kosten für eine Softwarelizenz zu bewerten, sondern eine tiefere Due-Diligence-Prüfung durchzuführen. Controller sollten anfangen, von ihren Softwareanbietern Transparenz über die digitale Lieferkette einzufordern. Auf welchem Basismodell beruht die angebotene Lösung? Wie stellt der Anbieter sicher, dass das Modell fair, sicher und robust ist? Welche Notfallpläne gibt es, falls das Basismodell nicht mehr verfügbar ist?

Diese Fragen müssen Teil jedes Software-Evaluierungs- und Beschaffungsprozesses werden. Die Bewertung von KI-Risiken gehört damit fest in den Aufgabenbereich des Controllings. Nur wenn du die digitalen Abhängigkeiten deines Unternehmens kennst, kannst du die damit verbundenen Kosten und Risiken korrekt bewerten und steuern. Die Analyse der digitalen Lieferkette ist keine akademische Übung, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.

Zu jedem Thema hier im Blog Controlling & Kostenrechnung gibt es in der Regel etwas später auch einen Podcast von mir. Ihr findet ihn auf dem Podcast-Kanal »ieconomics Controlling & Kostenrechnung« unter anderem bei Apple Podcasts, Spotify, Amazon Music oder Deezer. Daneben habe ich bis heute rund zwanzig ...für Dummies-Bücher veröffentlicht, unter anderem die Bestseller »Controlling für Dummies« und »Kosten- und Leistungsrechnung für Dummies«. Ende 2026 erscheint »KI im Rechnungswesen und Controlling für Dummies«. Alle Bücher berücksichtigen stets die rechtliche Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Bücher erscheinen beim Verlag Wiley-VCH mit Sitz in Weinheim bei Heidelberg und sind im deutschsprachigen Raum im Buchhandel vor Ort oder online wie zum Beispiel bei Amazon erhältlich. Wiley-VCH ist die deutsche Tochter des Verlags John Wiley & Sons. Wiley wurde im Jahr 1807 von Charles Wiley in Manhattan, New York City, gegründet und ist immer ein Familienunternehmen geblieben. Es hat heute seinen Sitz in Hoboken in New Jersey, also am Hudson River, direkt gegenüber von Manhattan.