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Versteckte Kostenfalle KI: Wie instabile Modelle deine Prozesse gefährden

Versteckte Kostenfalle KI: Wie instabile Modelle deine Prozesse gefährden

Im Controlling strebst du danach, Prozesse zu optimieren, Kosten zu senken und Risiken zu managen. Die Automatisierung von Routineaufgaben mithilfe von Künstlicher Intelligenz, zum Beispiel über die Programmierschnittstellen (APIs) von Anbietern wie OpenAI, erscheint dabei als vielversprechender Weg. Doch was passiert, wenn diese vermeintlich stabilen Automatisierungen von einem Tag auf den anderen nicht mehr funktionieren? Das Phänomen des Behavior Drift, also die unangekündigte Verhaltensänderung von KI-Modellen, entwickelt sich zu neuen, schwer kalkulierbaren Kosten und Risiken, die jedes Controlling auf dem Radar haben sollte.

Was ist Behavior Drift?

Die Anbieter von großen Sprachmodellen führen regelmäßig Anpassungen, sogenanntes Fine-Tuning, an ihren Systemen durch, um deren Sicherheit oder Konversationsfähigkeit zu verbessern. Dabei bleibt die grundlegende Fähigkeit des Modells zwar erhalten, sein konkretes Antwortverhalten kann sich aber drastisch ändern. Ein Befehl, der gestern noch eine perfekt formatierte Tabelle als Antwort lieferte, kann heute plötzlich zusätzlich einen einleitenden Satz oder eine völlig andere Struktur ausgeben. Genau diese unvorhersehbare Veränderung ist der Behavior Drift.

Die Konsequenzen für das Controlling

Für automatisierte Unternehmensprozesse ist dieser Drift eine tickende Zeitbombe. Stell dir vor, dein Unternehmen hat einen Prozess zur automatischen Auswertung von Kundenfeedback oder zur Erstellung von Entwürfen für Monatsberichte mithilfe einer KI-Schnittstelle implementiert. Dieser Prozess läuft monatelang stabil. Plötzlich, nach einem unangekündigten Update des KI-Anbieters, liefert die Schnittstelle Daten in einem neuen Format oder reagiert anders auf die etablierten Anweisungen. Der automatisierte Prozess bricht zusammen.

Die Folgen sind direkte und oft auch versteckte Kosten. Es entstehen ad-hoc Aufwände in der IT- oder Fachabteilung, um den Fehler zu finden und die Anweisungen an das neue KI-Verhalten anzupassen. Während dieser Zeit kommt es zu Produktivitätsverlusten, weil der manuelle Prozess wieder aufgenommen werden muss. Im schlimmsten Fall können fehlerhafte Daten unbemerkt in nachfolgende Systeme gelangen und dort zu kostspieligen Fehlentscheidungen führen. Diese unkalkulierbaren Nacharbeits- und Reparaturkosten machen eine seriöse ROI-Betrachtung (Return on Investment) für solche KI-Projekte extrem schwierig.

Ein neues Risiko in der Projektbewertung

Als Controller musst du diese neue Risikoart aktiv managen. Beim nächsten Vorschlag zur Automatisierung eines Prozesses mittels einer externen KI-Schnittstelle sollten daher kritische Fragen gestellt werden: Wie stabil ist die zugrundeliegende Plattform? Garantiert der Anbieter langfristig verfügbare Modellversionen? Welches Budget muss für ungeplante, aber wahrscheinliche Anpassungsaufwände zurückgestellt werden? Der Behavior Drift ist ein operatives und finanzielles Risiko, das in jeder Kosten-Nutzen-Analyse und bei jeder Investitionsentscheidung für KI-basierte Automatisierungsprojekte berücksichtigt werden muss. Die Verlockung einer schnellen Automatisierung darf nicht den Blick auf die potenziell hohen und wiederkehrenden Kosten der Instabilität verstellen.

Zu jedem Thema hier im Blog Controlling & Kostenrechnung gibt es in der Regel etwas später auch einen Podcast von mir. Ihr findet ihn auf dem Podcast-Kanal »ieconomics Controlling & Kostenrechnung« unter anderem bei Apple Podcasts, Spotify, Amazon Music oder Deezer. Daneben habe ich bis heute rund zwanzig ...für Dummies-Bücher veröffentlicht, unter anderem die Bestseller »Controlling für Dummies« und »Kosten- und Leistungsrechnung für Dummies«. Ende 2026 erscheint »KI im Rechnungswesen und Controlling für Dummies«. Alle Bücher berücksichtigen stets die rechtliche Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Bücher erscheinen beim Verlag Wiley-VCH mit Sitz in Weinheim bei Heidelberg und sind im deutschsprachigen Raum im Buchhandel vor Ort oder online wie zum Beispiel bei Amazon erhältlich. Wiley-VCH ist die deutsche Tochter des Verlags John Wiley & Sons. Wiley wurde im Jahr 1807 von Charles Wiley in Manhattan, New York City, gegründet und ist immer ein Familienunternehmen geblieben. Es hat heute seinen Sitz in Hoboken in New Jersey, also am Hudson River, direkt gegenüber von Manhattan.