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Hochzinsanleihen, die High-Yield-Anleihen

Jahrzehntelang war die Welt für Anleger relativ einfach: Ein Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent sicheren Staatsanleihen galt als goldener Weg für moderates Risiko. Doch diese alte Weisheit hat in letzter Zeit tiefe Risse bekommen. Im Jahr 2022 hat diese Strategie sogar den größten Verlust seit der Finanzkrise 2008 eingefahren. Der Grund: Aktien und die als sicher geltenden Anleihen bewegten sich plötzlich in die gleiche Richtung – nach unten. Die magische Diversifikation, also die Risikostreuung, hat nicht mehr funktioniert. Genau deshalb schauen sich Anleger jetzt nach Alternativen um, und ein Kandidat, der dabei immer wieder auftaucht, sind Hochzinsanleihen, auch Junk Bonds oder High-Yield-Anleihen genannt. Wie der Name schon sagt, bieten sie höhere Zinsen als erstklassige Staats- oder Unternehmensanleihen. Doch dieser Mehrertrag kommt nicht ohne Grund, er ist die Entschädigung für ein höheres Ausfallrisiko.

Das Umfeld für diese Anleihen ist stark von der allgemeinen Wirtschaftslage und der Zinspolitik abhängig. Wenn die Zinsen niedrig sind, suchen Anleger nach renditestärkeren Anlagen und greifen gerne zu Hochzinsanleihen. Steigen aber die Zinsen, wie wir es seit 2022 durch die Zentralbanken erleben, werden sicherere Anlagen wieder attraktiver. Das senkt die Nachfrage nach den riskanteren Papieren. Gleichzeitig beeinflusst das Wirtschaftswachstum, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), das Ausfallrisiko direkt. In einer boomenden Wirtschaft verdienen Unternehmen gut und können ihre Schulden leicht bedienen, was das Risiko senkt. Schwächt sich das Wachstum jedoch ab oder droht gar eine Rezession, steigt die Gefahr, dass Unternehmen ihre Zinsen nicht mehr zahlen können. Genau diese Situation zeichnet sich aktuell ab: Die massiven Zinserhöhungen sind bei den Unternehmen noch nicht voll angekommen und die Wirtschaft kühlt sich ab. Die Risikoaufschläge für Hochzinsanleihen sind aber noch nicht auf einem Krisenniveau. Das deutet darauf hin, dass die Preise für diese Anleihen noch fallen könnten, wenn die Risiken für alle sichtbar werden.

Der eigentliche Charme von Hochzinsanleihen liegt in ihrem Diversifikationspotenzial. Analysen über lange Zeiträume zeigen, dass sie sich oft anders verhalten als andere Anlageklassen. Besonders interessant ist, dass sie stärker mit dem Aktienmarkt korrelieren als mit erstklassigen Anleihen. Man kann sie sich also als eine Art Zwitter zwischen Aktie und Anleihe vorstellen. Das bedeutet, dass sie in einem klassischen Portfolio die Rolle der Aktien teilweise ergänzen oder die der Staatsanleihen ersetzen können, um das Risiko-Rendite-Profil zu verbessern. So hat die Beimischung von Hochzinsanleihen in der Vergangenheit über lange Zeiträume die sogenannte Sharpe Ratio eines Portfolios erhöht. Das ist eine Kennzahl, die vereinfacht gesagt misst, wie viel Rendite du pro eingegangener Risikoeinheit bekommst. Eine höhere Sharpe Ratio ist also besser. In wirtschaftlichen Abschwungphasen, wenn die Ausfallrisiken und damit die potenziellen Renditen steigen, kann eine höhere Gewichtung von Hochzinsanleihen auf Kosten von Aktien sinnvoll sein. In Aufschwungphasen könnten sie hingegen die niedrig verzinsten Staatsanleihen ersetzen, um die Gesamtrendite zu steigern.

Trotz ihres Potenzials sind Hochzinsanleihen aber kein Allheilmittel. Angesichts der bevorstehenden wirtschaftlichen Abkühlung und der wahrscheinlich steigenden Ausfallraten könnte es klug sein, mit einer Investition noch etwas zu warten, bis die Renditen das gestiegene Risiko angemessen widerspiegeln. Wenn es so weit ist, könnten aktiv gemanagte Fonds eine bessere Wahl sein als passive ETFs, da ein Fondsmanager gezielt die aussichtsreichsten Anleihen auswählen und das Portfolio agil an die Marktlage anpassen kann.

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