Die öffentliche Debatte über Künstliche Intelligenz wird derzeit von einem Schreckensszenario dominiert: der möglichen Auslöschung der Menschheit durch eine außer Kontrolle geratene Super-KI. Doch während wir gebannt auf diese dystopische Zukunft blicken, findet in der Gegenwart eine Entwicklung statt, die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt mindestens ebenso gefährlich ist und die direkt mit deinem Portemonnaie und dem Staatshaushalt zu tun hat. Die Rede ist von der massiven Anhäufung von Reichtum und Macht, die durch KI ermöglicht wird.
Der Kern des Problems, den viele Experten als viel dringender erachten, ist nicht die Frage, ob eine KI irgendwann die Weltherrschaft übernimmt, sondern wer von dieser Technologie heute und morgen profitiert. Die Produktivitätsgewinne durch KI sind enorm. Sie schaffen in kürzester Zeit Werte in Milliardenhöhe. Doch wo landet dieses Kapital? Die Antwort ist wahrscheinlich: bei einer sehr kleinen Gruppe von Unternehmen und ihren Aktionären. Während die breite Bevölkerung von stagnierenden Löhnen und unsicheren Jobs betroffen ist, explodieren die Vermögen an der Spitze. KI wirkt hier wie ein Brandbeschleuniger für die soziale Ungleichheit.
Genau an diesem Punkt wird die KI-Debatte zu einer Steuerdebatte. Wenn eine Technologie das Potenzial hat, die wirtschaftlichen Verhältnisse derart fundamental zu verschieben, muss sich die Gesellschaft fragen: Wie stellen wir sicher, dass der daraus entstehende Wohlstand fair verteilt wird? Das Steuersystem ist das zentrale Instrument, um diese Frage zu beantworten. Die aktuellen Steuersysteme sind jedoch kaum auf die Realität der digitalen Wirtschaft vorbereitet. Gewinne werden leicht in Niedrigsteuerländer oder in Länder, die bestimmte Gewinne nicht besteuern, verschoben. Zudem ist die Besteuerung von Kapitalerträgen oft niedriger als die von Löhnen und Gehältern sowie von Gewinnen aus selbständiger Tätigkeit. Die durch KI geschaffenen Vermögen wachsen so weitgehend unbehelligt, ohne einen angemessenen Beitrag zum Gemeinwesen zu leisten.
Es ist daher an der Zeit für eine Anpassung in der Steuerpolitik im Zeitalter der KI. Denkbar sind verschiedene Ansätze. Eine global koordinierte Mindeststeuer für Konzerne ist ein erster, wichtiger Schritt, um dem Steuerwettbewerb nach unten einen Riegel vorzuschieben. Man könnte aber auch über spezifischere Instrumente nachdenken. Eine »KI-Steuer« auf die durch Algorithmen geschaffene Wertschöpfung könnte die Mittel generieren, um Umschulungsprogramme oder soziale Sicherungssysteme mit zu finanzieren. Es geht nicht darum, den Fortschritt zu bremsen, sondern darum, ihn so zu gestalten, dass er der Gesellschaft fair zugutekommt.
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